Eine Überlieferung, die älter ist als jede Schrift darüber. Kein System, das jemand erfunden hat, sondern eine Kette von Menschen, die etwas erfahren und weitergegeben haben.
Diese Seite unterscheidet zwischen historisch Belegtem und dem, was die Tradition über sich selbst erzählt. Beides gehört dazu, aber nicht dasselbe.
Nanda Devi · Foto: Michael Scalet · CC BY-SA 2.0
Das Wort
Siddha heißt: vollendet
Das Sanskritwort siddha bedeutet vollendet, vollbracht, angekommen. Ein Siddha ist kein Gelehrter und kein Priester. Er ist jemand, der den Weg zu Ende gegangen ist, den andere noch gehen.
Verwandt damit ist siddhi – Vollendung, und im weiteren Sinn die Fähigkeiten, die auf diesem Weg entstehen. In der Überlieferung stehen sie am Rand, nie im Zentrum. Wer sie sucht, hat den Punkt verfehlt.
Nicht Wissen über die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit selbst.
Zwei Ströme tragen diesen Namen, und sie werden oft verwechselt. Es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten.
Die tamilischen Siddhar
Südindien. Achtzehn Namen sind überliefert, allen voran Agastya, dazu Bogar und Tirumular. Sie schrieben in Versen, oft absichtlich rätselhaft, und begründeten die Siddha-Medizin, die in Tamil Nadu bis heute praktiziert wird.
Die Siddha des Himalaya
Der Norden. Weniger Schriften, mehr Rückzug. Meister, die in großer Höhe in Tapas leben – in Askese und Sammlung. Aus dieser Linie kommt die Praxis, die wir üben.
Gemeinsam ist beiden dreierlei: Erfahrung zählt mehr als Lehre. Der Körper ist kein Hindernis, sondern das Werkzeug. Und weitergegeben wird von Mensch zu Mensch, nicht aus Büchern.
Der Himalaya ist nicht nur Gebirge.
Sinngemäß nach der Überlieferung der Himalaya-Siddha-Meister
Die Praxis
Was in dieser Linie geübt wird
Vieles, was heute weltweit als Yoga oder Meditation gelehrt wird, geht auf Patanjali und die Vashishtha-Überlieferung zurück. Die Linie, in der wir stehen, benennt ihren eigenen Weg anders.
Sanskara-YogaArbeit an den Prägungen, die ein Leben mitbringt.
Sankalpa-YogaDer gefasste Entschluss als formende Kraft.
Samadhi-YogaDer Weg in den tiefsten meditativen Zustand.
Anugraha-YogaDer Weg über Gnade und die Zuwendung des Meisters.
Diese vier hängen zusammen. Anugraha, auch Kripa genannt, ist das Dach: Nichts davon wird erarbeitet wie eine Fertigkeit. Es wird gegeben und empfangen. Deshalb steht am Anfang die Diksha, die Einweihung – und nicht ein Kursprogramm.
Samadhi
Der Zustand, in dem die Trennung zwischen dem Übenden und dem Geübten aufhört. Ziel des Weges, nicht Technik auf ihm.
Diksha
Die Einweihung. Die Tradition kennt mehrere Stufen: Guru- oder Mantra-Diksha am Anfang, danach Kriya, Sanskara, Sankalpa und Samadhi.
Tapas
Askese, wörtlich Hitze. Die freiwillige Anstrengung, aus der Klarheit entsteht.
Kriya
Handlung, Übung. Atem- und Bewegungspraxis, die den Körper für die Stille vorbereitet.
Kundalini
Die im Menschen ruhende Kraft, die auf dem Weg erwacht. In dieser Linie kein Ziel für sich, sondern Begleiterscheinung.
Darshan
Die Begegnung mit der Meisterin. Sehen und gesehen werden, mehr Ereignis als Vortrag.
Der Schüler wählt den Meister, nicht umgekehrt. So sagt es die Überlieferung, und so wird es bis heute gehalten.
Die Linie
Von den Bergen bis nach Rüttenscheid
Eine Kette von Menschen. Manche sind historisch fassbar, andere kennt nur die Überlieferung. Wir kennzeichnen, was was ist.
Zeitlose Anfänge
Der Himalaya als Ort der Übung
Vor der Schrift
Lange bevor jemand aufschrieb, was hier geübt wird, zogen sich Menschen in die Hochtäler zurück. Nicht als Flucht, sondern weil Höhe und Stille etwas möglich machen, was in der Ebene schwerer wird. Die Vedas und Upanishaden nennen diesen Raum. Die Praxis selbst ist älter als die Texte über sie.
Überlieferung
Die Meister vor der Linie
Maha Avtar Baba, Hari Baba, Santosh Baba, Narayan Giri
Die Meister, auf die sich die Linie beruft
Vier Namen stehen am Anfang. Maha Avtar Baba, auch Hariakhan Baba genannt, ist die Gestalt, die weit über Indien hinaus bekannt wurde. Hari Baba gilt als der gemeinsame Guru, über den Pilot Babaji und Yogmata verbunden sind.
Historisch sind diese Gestalten schwer zu fassen. Für die Tradition sind sie kein Symbol, sondern Personen. Wir geben das wieder, ohne es zu beweisen.
Überlieferung
Tibet
Rajeshwori Math
Der Ort der Ausbildung · Lehrer: Mahatappa Giri
Ein Kloster im tibetischen Hochland, geleitet von Mahatappa Giri. Hier lernte der Mann, der später Pilot Baba genannt wurde. Danach folgten Jahre im Nanda-Devi-Tal, einem der abgelegensten Gebiete des indischen Himalaya.
Ashram der Tradition in Indien · Foto: Nitesh · CC BY-SA 4.0Überlieferung
1938 – 2024
Mahayogi Pilot Babaji
Vom Kampfpiloten zum Meister
Kapil Singh flog als Pilot für die indische Luftwaffe. Nach einem Erlebnis im Cockpit, das er selbst als Wendepunkt beschrieb, verließ er den Dienst und ging in den Himalaya. Was folgte, waren Jahre der Zurückgezogenheit – nach eigener Darstellung rund sechzehn im Nanda-Devi-Tal und ausgedehnte Wanderungen in großer Höhe.
Später wurde er einer der bekanntesten Vertreter der Himalaya-Siddha-Tradition, gründete die Mahayog Foundation und Ashrams in Haridwar, Nainital, Uttarkashi, Vrindavan, Sasaram und Neu-Delhi. Er reiste nach Japan, Europa und in die USA. 2024 ist er gestorben.
Über ihn kursieren spektakuläre Geschichten – tagelange Samadhi unter der Erde, unter Wasser, in verschlossenem Glas. Wir erzählen sie hier nicht als Tatsachen nach. Sie gehören zur Überlieferung, und die Überlieferung gehört zur Geschichte.
Hier gehört ein Porträt hinVon Mahayogi Pilot Babaji existiert kein frei lizenziertes Foto. Ein Bild muss über die Organisation lizenziert werden.
Person historisch belegt
Seit 1945
Yogmata Keiko Aikawa
Die erste Frau mit dem Status einer Siddha-Meisterin
In Japan geboren, kam sie über die eigene Praxis nach Indien und in die Linie. Sie gilt als erste Frau und erste Nicht-Inderin, die den Status einer Siddha-Meisterin erreichte, und trägt den Titel Mahamandaleshwar der Juna Akhara – einer der ältesten Mönchsorden Indiens.
Sie lehrt weltweit, gibt Darshan und Diksha und hat sich wiederholt öffentlich für Frieden eingesetzt. Nach Deutschland kommt sie regelmäßig.
Hier gehört ein Porträt hinVon Yogmata Keiko Aikawa existiert kein frei lizenziertes Foto. Ein Bild ist über ihre Organisation zu lizenzieren – das wäre das wichtigste Bild dieser Seite.
Person historisch belegt
Heute · Essen-Rüttenscheid
Shambala Institut
Erstes Zentrum der Himalayan Siddha Masters in Europa
Autorisiert von Pilot Babaji und seiner Nachfolgerin Yogmata Keiko Aikawa üben wir diese Tradition im Ruhrgebiet. Nicht als ferner Ashram, sondern als Praxis, die in einen normalen Alltag passt: nach der Arbeit, in Alltagskleidung, ohne Vorkenntnisse.
Was hier begonnen hat, soll nicht hier bleiben. Wir wünschen uns, dass in weiteren Städten eigene Zentren entstehen – getragen von Menschen, die selbst tief in der Praxis stehen.
Gegenwart
Ehrlich gesagt
Was wir wissen und was wir glauben
Eine lebende Tradition ist kein Archiv. Sie erzählt von sich selbst, und diese Erzählungen sind Teil dessen, was weitergegeben wird. Gleichzeitig leben wir in Europa im Jahr 2026 und schreiben für Menschen, die zu Recht fragen, was davon nachprüfbar ist.
Deshalb die Kennzeichnung im Zeitstrahl. Historisch belegt heißt: Die Person ist dokumentiert, Lebensdaten und Wirken sind nachvollziehbar. Überlieferung heißt: So erzählt es die Tradition. Wir geben es wieder, weil es dazugehört – nicht, weil wir es beweisen können.
Was wir nicht behaupten
– Keine Heilung von Krankheiten
– Kein Ersatz für ärztliche Behandlung
– Keine übernatürlichen Fähigkeiten als Kursinhalt
– Keine Versprechen über Erfahrungen, die sich einstellen sollen
Meditation ist ein Übungsweg. Was sie bewirkt, erfährt jeder selbst oder eben nicht.
Bildnachweis: Nanda Devi – Michael Scalet, CC BY-SA 2.0. Ashram – Nitesh, CC BY-SA 4.0. Beide über Wikimedia Commons, in der Größe angepasst und in WebP umgewandelt. Von Mahayogi Pilot Babaji und Yogmata Keiko Aikawa liegen uns keine Bildrechte vor.
Der nächste Schritt
Geschichte liest sich. Praxis nicht.
Diese Seite kann erklären, woher die Übung kommt. Was sie ist, zeigt sich beim ersten Mal Hinsetzen.