Die Geschichte

Wer die Siddha sind.

Eine Überlieferung, die älter ist als jede Schrift darüber. Kein System, das jemand erfunden hat, sondern eine Kette von Menschen, die etwas erfahren und weitergegeben haben – sieben Namen weit, vom Himalaya bis nach Rüttenscheid.

Diese Seite unterscheidet zwischen historisch Belegtem und dem, was die Tradition über sich selbst erzählt. Beides gehört dazu, aber nicht dasselbe.

Gedruckte Tafel mit fünf Meistern des Himalaya in Meditationshaltung vor Schneefeldern
„हिमालय के महापुरुष“ – Die großen Gestalten des Himalaya
Das Wort

Siddha heißt: vollendet

Das Sanskritwort siddha bedeutet vollendet, vollbracht, angekommen. Ein Siddha ist kein Gelehrter und kein Priester. Er ist jemand, der den Weg zu Ende gegangen ist, den andere noch gehen.

Verwandt damit ist siddhi – Vollendung, und im weiteren Sinn die Fähigkeiten, die auf diesem Weg entstehen. In der Überlieferung stehen sie am Rand, nie im Zentrum. Wer sie sucht, hat den Punkt verfehlt.

Nicht Wissen über die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit selbst.

Zwei Ströme tragen diesen Namen, und sie werden oft verwechselt. Es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten.

Die tamilischen Siddhar

Südindien. Achtzehn Namen sind überliefert, allen voran Agastya, dazu Bogar und Tirumular. Sie schrieben in Versen, oft absichtlich rätselhaft, und begründeten die Siddha-Medizin, die in Tamil Nadu bis heute praktiziert wird.

Die Siddha des Himalaya

Der Norden. Weniger Schriften, mehr Rückzug. Meister, die in großer Höhe in Tapas leben – in Askese und Sammlung. Aus dieser Linie kommt die Praxis, die wir üben.

Gemeinsam ist beiden dreierlei: Erfahrung zählt mehr als Lehre. Der Körper ist kein Hindernis, sondern das Werkzeug. Und weitergegeben wird von Mensch zu Mensch, nicht aus Büchern.

Der Himalaya ist nicht nur Gebirge.

Sinngemäß nach der Überlieferung der Himalaya-Siddha-Meister
Die Praxis

Was in dieser Linie geübt wird

Vieles, was heute weltweit als Yoga oder Meditation gelehrt wird, geht auf Patanjali und die Vashishtha-Überlieferung zurück. Die Linie, in der wir stehen, benennt ihren eigenen Weg anders.

Sanskara-YogaArbeit an den Prägungen, die ein Leben mitbringt.
Sankalpa-YogaDer gefasste Entschluss als formende Kraft.
Samadhi-YogaDer Weg in den tiefsten meditativen Zustand.
Anugraha-YogaDer Weg über Gnade und die Zuwendung des Meisters.

Diese vier hängen zusammen. Anugraha, auch Kripa genannt, ist das Dach: Nichts davon wird erarbeitet wie eine Fertigkeit. Es wird gegeben und empfangen. Deshalb steht am Anfang die Diksha, die Einweihung – und nicht ein Kursprogramm.

Samadhi
Der Zustand, in dem die Trennung zwischen dem Übenden und dem Geübten aufhört. Ziel des Weges, nicht Technik auf ihm.
Diksha
Die Einweihung. Die Tradition kennt mehrere Stufen: Guru- oder Mantra-Diksha am Anfang, danach Kriya, Sanskara, Sankalpa und Samadhi.
Tapas
Askese, wörtlich Hitze. Die freiwillige Anstrengung, aus der Klarheit entsteht.
Kriya
Handlung, Übung. Atem- und Bewegungspraxis, die den Körper für die Stille vorbereitet.
Kundalini
Die im Menschen ruhende Kraft, die auf dem Weg erwacht. In dieser Linie kein Ziel für sich, sondern Begleiterscheinung.
Darshan
Die Begegnung mit der Meisterin. Sehen und gesehen werden, mehr Ereignis als Vortrag.

Der Schüler wählt den Meister, nicht umgekehrt. So sagt es die Überlieferung, und so wird es bis heute gehalten.

Die Linie

Von den Bergen bis nach Rüttenscheid

Eine Kette von Menschen. Sieben Namen tragen sie, dazu die Orte, an denen sie gelernt und gelehrt haben. Manche sind historisch fassbar, andere kennt nur die Überlieferung. Wir kennzeichnen, was was ist.

Historische Aufnahme: drei Meister der Linie sitzen in Meditationshaltung vor einem Haus
Hari Baba, Pilot Baba und Maha Avatar Baba – eine der wenigen erhaltenen Gruppenaufnahmen der Linie.
  • Zeitlose Anfänge

    Der Himalaya als Ort der Übung

    Vor der Schrift

    Lange bevor jemand aufschrieb, was hier geübt wird, zogen sich Menschen in die Hochtäler zurück. Nicht als Flucht, sondern weil Höhe und Stille etwas möglich machen, was in der Ebene schwerer wird. Die Vedas und Upanishaden nennen diesen Raum. Die Praxis selbst ist älter als die Texte über sie.

    Überlieferung
  • Der Anfang der Reihe

    Maha Avatar Baba

    Haidakhan Maharaj · Erster Name der Parampara

    Am Anfang der Reihe steht Maha Avatar Baba, in der Überlieferung auch Haidakhan Maharaj genannt. Über ihn gibt es mehr Erzählungen als Dokumente. Historisch ist er kaum zu fassen, und wir behaupten nicht, dass er es wäre.

    Für die Tradition ist er keine Chiffre, sondern eine Person: der, auf den sich alles Weitere zurückführt. So wird es in der Linie erzählt, und so geben wir es wieder.

    Maha Avatar Baba im Sitzen, historische Schwarzweißaufnahme
    Maha Avatar Baba. Die Aufnahme stammt aus dem Bestand der Tradition; Alter, Fotograf und Herkunft sind nicht dokumentiert.
    Überlieferung
  • Zwischen den Namen

    Avatar Baba

    Zweiter Name der Parampara

    Zwischen Maha Avatar Baba und Hari Baba steht Avatar Baba. Uns liegt über ihn zu wenig vor, um hier eine Biografie zu schreiben, die dem Namen gerecht würde.

    Diese Stelle bleibt deshalb offen. Eine Lücke ist ehrlicher als eine erfundene Geschichte.

    Hier gehört ein Porträt hin Von Avatar Baba liegt uns bislang kein Bild vor.
    Überlieferung
  • Vor Pilot Baba

    Hari Baba

    Dritter Name der Parampara · Der Meister, bei dem Pilot Baba lernte

    Hari Baba ist die Stelle, an der die Linie in die Gegenwart kippt. In den Erzählungen der Tradition ist er derjenige, bei dem der spätere Pilot Baba lernte – und damit der letzte der alten Meister, von dem eine durchgehende Kette bis nach Essen führt.

    Auch von ihm gibt es keine Biografie im westlichen Sinn. Es gibt Fotografien, es gibt Menschen, die ihn gekannt haben, und es gibt das, was weitergegeben wurde.

    Hari Baba mit Stirnzeichen, Gebetsketten und Trishul
    Hari Baba. Aufnahme aus dem Bestand der Tradition.
    Überlieferung
  • Tibet

    Rajeshwori Math

    Der Ort der Ausbildung · Lehrer: Mahatappa Giri

    Ein Kloster im tibetischen Hochland, geleitet von Mahatappa Giri. Hier lernte der Mann, der später Pilot Baba genannt wurde. Danach folgten Jahre im Nanda-Devi-Tal, einem der abgelegensten Gebiete des indischen Himalaya.

    Ashram-Anlage der Tradition in Indien
    Ashram der Tradition in Indien · Foto: Nitesh · CC BY-SA 4.0
    Überlieferung
  • 1938 – 2024

    Mahayogi Pilot Baba

    Soma Nath Giri · Vom Kampfpiloten zum Meister

    Kapil Singh flog als Pilot für die indische Luftwaffe. Nach einem Erlebnis im Cockpit, das er selbst als Wendepunkt beschrieb, verließ er den Dienst und ging in den Himalaya. Was folgte, waren Jahre der Zurückgezogenheit – nach eigener Darstellung rund sechzehn im Nanda-Devi-Tal und ausgedehnte Wanderungen in großer Höhe.

    Später wurde er einer der bekanntesten Vertreter der Himalaya-Siddha-Tradition, gründete die Mahayog Foundation und Ashrams in Haridwar, Nainital, Uttarkashi, Vrindavan, Sasaram und Neu-Delhi. Er reiste nach Japan, Europa und in die USA. 2024 ist er gestorben.

    Über ihn kursieren spektakuläre Geschichten – tagelange Samadhi unter der Erde, unter Wasser, in verschlossenem Glas. Wir erzählen sie hier nicht als Tatsachen nach. Sie gehören zur Überlieferung, und die Überlieferung gehört zur Geschichte.

    Pilot Baba sitzt unter einem Baum, den Zeigefinger erhoben
    Pilot Baba. Aufnahme aus dem Bestand des Instituts.
    Der Gipfel der Nanda Devi im Abendlicht
    Das Nanda-Devi-Massiv, in dessen Tal er seine Jahre der Zurückgezogenheit verbrachte · Foto: Michael Scalet · CC BY-SA 2.0
    Person historisch belegt
  • Seit 1945

    Yogmata Keiko Aikawa

    Kela Mata Giri · Die erste Frau mit dem Status einer Siddha-Meisterin

    In Japan geboren, kam sie über die eigene Praxis nach Indien und zu Pilot Baba. Sie gilt als erste Frau und erste Nicht-Inderin, die den Status einer Siddha-Meisterin erreichte, und trägt den Titel Mahamandaleshwar der Juna Akhara – einer der ältesten Mönchsorden Indiens.

    Sie lehrt weltweit, gibt Darshan und Diksha und hat sich wiederholt öffentlich für Frieden eingesetzt. Nach Deutschland kommt sie regelmäßig. Sie hat das Shambala Yoga Institut in Essen als Vertretung der Linie in Europa autorisiert.

    Yogmata Keiko Aikawa hält Rudraksha-Perlen in beiden Händen
    Yogmata Keiko Aikawa. Aufnahme aus dem Bestand des Instituts.
    Person historisch belegt
  • Die Nachfolge

    Chetna Mata Giri und Shraddha Mata Giri

    Sechster und siebter Name der Parampara

    Nach Yogmata Keiko Aikawa führt die Linie weiter. Chetna Mata Giri und Shraddha Mata Giri stehen an sechster und siebter Stelle der Parampara.

    Ihre Porträts stehen seit dem 26. August 2026 hier. Eine ausführlichere Darstellung ihres Wegs ergänzen wir, sobald sie uns vorliegt – auch das gehört zur Ehrlichkeit dieser Seite: Wir schreiben erst, wenn wir es wissen.

    Chetna Mata Giri im safranfarbenen Turban mit Blütenkette
    Chetna Mata Giri
    Shraddha Mata Giri mit erhobener Hand zum Segen, Blüten- und Rudraksha-Ketten
    Shraddha Mata Giri
    Gegenwart
  • Heute · Essen-Rüttenscheid

    Shambala Yoga Institut

    Erstes Zentrum der Himalayan Siddha Masters in Europa

    Autorisiert von Pilot Baba und seiner Nachfolgerin Yogmata Keiko Aikawa üben wir diese Tradition im Ruhrgebiet. Nicht als ferner Ashram, sondern als Praxis, die in einen normalen Alltag passt: nach der Arbeit, in Alltagskleidung, ohne Vorkenntnisse.

    Was hier begonnen hat, soll nicht hier bleiben. Wir wünschen uns, dass in weiteren Städten eigene Zentren entstehen – getragen von Menschen, die selbst tief in der Praxis stehen.

    Yogmata Keiko Aikawa segnet das Kind eines Mitglieds, umgeben von der Gruppe
    Yogmata segnet ein Kind – bei uns in Essen.
    Gegenwart
Emblem der Himalayan Siddha Masters: Monogramm HSM mit Bergsilhouette
Das Zeichen der Linie.
Ehrlich gesagt

Was wir wissen und was wir glauben

Eine lebende Tradition ist kein Archiv. Sie erzählt von sich selbst, und diese Erzählungen sind Teil dessen, was weitergegeben wird. Gleichzeitig leben wir in Europa im Jahr 2026 und schreiben für Menschen, die zu Recht fragen, was davon nachprüfbar ist.

Deshalb die Kennzeichnung im Zeitstrahl. Historisch belegt heißt: Die Person ist dokumentiert, Lebensdaten und Wirken sind nachvollziehbar. Überlieferung heißt: So erzählt es die Tradition. Wir geben es wieder, weil es dazugehört – nicht, weil wir es beweisen können.

Was wir nicht behaupten

– Keine Heilung von Krankheiten
– Kein Ersatz für ärztliche Behandlung
– Keine übernatürlichen Fähigkeiten als Kursinhalt
– Keine Versprechen über Erfahrungen, die sich einstellen sollen

Meditation ist ein Übungsweg. Was sie bewirkt, erfährt jeder selbst oder eben nicht.

Bildnachweis: Nanda Devi – Michael Scalet, CC BY-SA 2.0. Ashram – Nitesh, CC BY-SA 4.0. Beide über Wikimedia Commons, in der Größe angepasst und in WebP umgewandelt. Alle übrigen Aufnahmen stammen aus dem Bestand des Shambala Yoga Instituts Essen. Bei den historischen Fotografien sind Alter, Fotograf und Herkunft nicht dokumentiert.

Der nächste Schritt

Geschichte liest sich. Praxis nicht.

Diese Seite kann erklären, woher die Übung kommt. Was sie ist, zeigt sich beim ersten Mal Hinsetzen.

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Vor OrtShambala Yoga Institut · Reginenstraße 12 · 45130 Essen
Termine
  • Di19.30 Uhr
  • Mi18.30 · 20.30 Uhr
  • Do20.30 Uhr
  • Sa10.00 Uhr
  • So10.00 · 20.00 Uhr